Geotechnik

Der Begriff Geotechnik ist in unserer Gesellschaft nicht sehr geläufig. Viel eher würde der Großteil, wenn nach der Begriffserläuterung gefragt, das eigentliche Wort als Tippfehler ansehen und dann selbstsicher wie folgt antworten: „Da wollte wohl jemand Gentechnik schreiben und hat sich vertippt.“ Dem ist leider nicht so. Mit Geotechnik meint man Geotechnik und schreibt es auch so.

Was also steckt dann hinter der Geotechnik? Etwa ein bemitleidenswerter unbekannter Studiengang, der von höchstens zwei Hochschulen in der Bundesrepublik angeboten wird? Ein Studiengang? Ja. Unbekannt? Na ja, zumindest noch nicht bekannt genug. Bemitleidenswert? Pah, nie und nimmer! Aus dem Begriff Geotechnik lassen sich zunächst ganz pauschal die Worte „Geo“ und „Technik“ ableiten. „Geo“ ist der lateinische Begriff für Erde, während Technik in diesem Fall als Abkürzung für Bautechnik genutzt wird. Die Art, wie ein Bauwerk ausgeführt und aufgebaut ist, beschreibt den Begriff Bautechnik am Treffendsten. Geotechnik ist nichts anderes, als ein Zweig des allbekannten Bauingenieurwesens, der sich mit der Bodenbeschaffenheit im Zusammenhang mit dem Bauen beschäftigt. Das heißt, Geotechniker untersuchen, ob der für den Bau vorgesehene Boden für die bautechnische Nutzung geeignet ist. Bevor die eigentlichen Arbeiten überhaupt beginnen, ist es unabdingbar für Geotechniker, die Eigenschaften des Baugrunds zu ermitteln und zu untersuchen, ob das geplante Bauwerk beispielsweise sicher auf dem Boden stehen wird. Die Notwendigkeit der Geotechnik für das allgemeine Bauingenieurwesen wird hier schon deutlich. Ohne die Vorbereitungen und Untersuchungen von ausgebildeten und erfahrenen Geotechnikern können geplante Bauprozesse aufgrund von mangelnden Informationen zur Bodenbeschaffenheit und –tauglichkeit gar nicht erst realisiert werden. Um diese fundierten und umfassenden Untersuchungen fachgerecht und korrekt durchführen zu können, sind Kenntnisse über physikalische Eigenschaften des Baugrunds sowie die für den Baugrund anwendbaren Gesetze der Mechanik unabdingbar.

Die Geotechnik ist ein vergleichsweise junges Fachgebiet, das aus einem Zweig des Bauingenieurwesens entspringt, auf der anderen Seite aber auch aufgrund der Abhängigkeit des Bauingenieurwesens von der Geotechnik als eigenständig angesehen werden kann. Ihre Bedeutung ist, wie schon angedeutet, durch die notwendigen Untersuchungen und Tests bei der Realisierung von Bauwerken ausgesprochen hoch. Ohne die Geotechnik ist es sehr schwer bis unmöglich für Planer, Architekten und Bauunternehmen stabile, standsichere und für die Öffentlichkeit bestimmte Bauwerke zu verwirklichen. Die junge Ingenieurwissenschaft, die sich aus dem Bauingenieurwesen entwickelt hat, vereint Elemente aus dem Bauingenierwesen, den Geowissenschaften (mit Schwerpunkt auf die Geologie) und dem Bergbau. Die wechselseitige Beziehung zwischen Bauwerk und Baugrund liegt hier im Vordergrund: Beim Bauen im Baugrund liegt der Fokus vor allem auf der wechselhaften Wirkung von Kräften und Verformungen zwischen dem Baugrund und dem darauf stehenden Bauwerk. Beim Bauen mit dem Baugrund ist es wichtig, dass die Eigenschaften des Baustoffes so umfassend und präzise wie möglich herausgearbeitet werden, um z. B. Dichte und Standsicherheit zu berechnen. Folglich werden mit einem Geotechniker u. A. folgende Aufgaben assoziiert: Der Untergrund und die Grundwasserverhältnisse müssen untersucht und beurteilt werden und so eine Art Bodengutachten erstellt werden. Zudem müssen dynamische Belastungen, wie Sprengungen oder Verkehrsbelastungen auf den Baugrund gemessen, überwacht und beurteilt werden. Nicht zuletzt muss die Standsicherheit von angrenzenden Böschungen, Hängen oder Dämmen garantiert werden. Weitere spezifische Aufgabengebiete gehören zur Arbeit eines Geotechnikers dazu. Die berufliche Perspektive bei diesem Studiengang ist zwar nicht sehr vielfältig, dafür aber relativ stabil und gefragt aufgrund einem noch mäßigen Interesse unter Studieninteressierten in Deutschland.